Fokus Nachhaltigkeit
"Nachhaltigkeit ist eine Frage der Haltung"
Interview mit Martin Lemke, Geschäftsführer der AM ALPHA

Der Begriff Nachhaltigkeit prägt mehr und mehr die öffentliche Diskussion. Die Immobilienbranche ist beim nachhaltigen Wirtschaften besonders gefragt. Schließlich ist der Gebäudesektor für einen hohen Anteil des weltweiten CO2 Ausstoßes verantwortlich, entsprechend groß sind die Einsparpotenziale. AM ALPHA hat sich frühzeitig darauf ausgerichtet, um klimaneutral zu agieren. Geschäftsführer Martin Lemke erläutert die Hintergründe.

Herr Lemke, das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Was sagen Sie dazu?

Redet man von Nachhaltigkeit, geht es oft ausschließlich um die Ökologie, also die Umweltaspekte. Dabei fußt das Nachhaltigkeitskonzept auf insgesamt drei Säulen: Ökologie, Ökonomie und Soziales, dies alles in Verbindung mit nachhaltiger Unternehmensführung. Nur durch kluge Konzepte in allen diesen Bereichen können wir von uns behaupten: Wir handeln nachhaltig. Und nur im Zusammenspiel aller Aspekte entsteht langfristige Wirkung.


AM ALPHA als Familienunternehmen denkt per se langfristig und handelt generationenübergreifend. Ökologisch, ökonomisch und sozial. Nachhaltigkeit ist somit gelebter Teil unserer Unternehmenskultur und -führung. Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung an – gegenüber unseren Mitarbeitenden und ihren Familien, gegenüber unseren Mit-Investoren und Auftragnehmern sowie gegenüber den Städten, in denen wir aktiv sind, und deren Bürgern. Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns somit nicht neu. Neu ist jedoch, wie darüber gesprochen wird oder welche Reportingpflichten in dieser Hinsicht seit einiger Zeit zu erfüllen sind.

Wie schlägt sich Nachhaltigkeit in Ihrer Geschäftstätigkeit nieder?

Indem wir die ESG-Kriterien zu einem essenziellen Teil unserer Unternehmenskultur machen, optimieren wir entlang dieser Kriterien unsere Geschäftsprozesse und unser Portfolio. Ziel ist die Gestaltung attraktiver Lebensräume, die Antworten geben auf die großen Fragen unserer Zeit, wie Klimawandel, Urbanisierung, Social Impact. Dementsprechend ist unser Markenversprechen: Returning Real Value!

Wie stellen Sie sicher, dass ihr Unternehmen dem Anspruch der Klimaneutralität gerecht wird?

Durch klar definierte Verhaltensweisen im Unternehmen, die negative Auswirkungen auf die Umwelt verringern, bestenfalls ganz vermeiden. Konkret bedeutet das: Ökostrom an unseren Standorten und für unsere Objekte, Verzicht auf Dienstreisen, wo immer dies möglich ist, ein Fuhrpark, der aus Mitarbeiterfahrrädern besteht, papierlose Büros und eine optimierte Abfallwirtschaft. All diese Maßnahmen verifizieren, ergänzen und verbessern wir kontinuierlich – Nachhaltigkeit bedeutet ja schließlich Nachhalten.


Deshalb sind wir auch ein ClimatePartner-zertifiziertes Unternehmen. Durch die transparente Offenlegung der Klimaschutzstrategie unseres Unternehmens, einschließlich des Carbon Footprints, der Reduktionsziele, der umgesetzten Reduktionen und des finanziellen Beitrags zu Klimaschutzprojekten weltweit, stellen wir sicher, dass wir uns kontinuierlich verbessern.


Daneben haben wir außerhalb unserer Büros Projekte angestoßen, von denen wir überzeugt sind, dass wir durch unsere Unterstützung einen großen Beitrag zur Verbesserung des Klimas leisten können. Da wir in der Immobilienindustrie insgesamt einen so erheblichen Anteil am CO2 Ausstoß tragen, setzen wir am entgegengesetzten Ende an, nämlich dort, wo am meisten CO2 gebunden werden kann, und das ist der Wald. So unterstützen wir nicht nur in der heimischen Region die Initiative „Waldlife“, sondern auch internationale Projekte in Afrika. 

Wie schlägt sich der Nachhaltigkeitsgedanke in Ihrer Geschäftstätigkeit nieder?

Nachhaltigkeit, die heute vor allem an der Erfüllung definierter ESG-Kriterien festgemacht wird, war immer schon Teil unseres Geschäftsmodells. Wir wollen bei den von uns gemanagten Gebäuden einen größtmöglichen Impact erzielen - und das auch mit Immobilien, die nicht ausschließlich top-gerated sind. Der Fokus liegt neben der Rendite stets auch auf der sozialen und ökologischen Wirkung, die das Investment auslöst. Impact Investing bedeutet also nicht zwangsläufig Renditeverzicht. Impact Investing gibt dem eingebrachten Kapital etwas Wichtiges on top mit: Sinn.


Wir wollen Wertschöpfung auch aus ESG-Gesichtspunkten erzielen. Es gibt sehr viele Immobilien auf dem Markt, mit denen man einen positiven Beitrag leisten kann – gerade, weil sie erst noch smarte Konzepte und „hands on the substance“ brauchen, Stichwort „Retro- Fitting“. Dieses ist für uns der weitaus stärkere Hebel, um bei ESG tatsächlich nachhaltig Fortschritte zu erzielen.

Wir handeln nachhaltig. Und nur im Zusammenspiel aller Aspekte entsteht langfristige Wirkung.

Martin Lemke

Soweit das „E“ in ESG. Wie setzen sie das „S“ und das „G“ um?

Wie bereits erwähnt geht es immer um das Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und Sozialem – das „E“ kann nicht ohne das „S“ und das „G“. Nachhaltigkeit bedarf einer ganzheitlichen Herangehensweise – und ist nur dadurch glaubwürdig und wirksam.


In einem Unternehmen wie der AM ALPHA, das in den großen Metropolen Europas und Asiens präsent ist und so eine multikulturelle Belegschaft aufweist, ist Diversität unabdingbar. Bei uns ist sie deshalb seit jeher gelebte Wirklichkeit. Weder Geschlecht noch Orientierung waren für uns jemals relevant. Wir haben immer etwas viel Bedeutenderes verstanden: Die Motivation unserer Mitarbeitenden ist Grundlage und entscheidendes Element unseres Erfolgs. Und wie ist man motiviert? Durch Eigenverantwortung, selbstständiges Entscheiden und Handeln. Wenn sich jemand entwickeln soll, braucht er dazu Raum. Wir geben unseren Leuten diesen Raum – plus die Sicherheit, niemals allein dazustehen. Denn wir sind ein über flache Hierarchien hinweg super funktionierendes Team. Das schafft etwas, das für mich übrigens ganz wesentlich in das „S“ von ESG hineinspielt: Satisfaction. Zufriedenheit, die wir außerdem mit Incentives wie Dienstfahrrädern oder Kita- und Krippenzuschüssen unterstützen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein bisschen einfacher zu machen.

Und die soziale Verantwortung …

… nehmen wir traditionell wahr. Wir sind in einem sehr privilegierten Umfeld tätig, umso mehr sehen wir uns in der Verantwortung für nachfolgende Generationen. Egal, ob es um die Gestaltung attraktiver Lebensräume oder um wertschätzenden Umgang mit historischem Erbe geht: Der gesellschaftliche Beitrag ist ein unumstößlicher Bestandteil unserer Arbeit. Er kristallisiert sich in unserem Bemühen, dem Leben in der Stadt entsprechend der Megatrends Urbanisierung, saubere Energie, neue Mobilität und quartiersbetonte Infrastruktur eine zukunftsweisende Richtung zu geben.

Wie geht es in Sachen Nachhaltigkeit weiter?

Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme des 21. Jahrhunderts – und wir alle, die wir in der Immobilienwirtschaft tätig sind, sind hier besonders gefragt. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens werden sukzessive von der EU-Kommission mit neuen regulatorischen Rahmenbedingungen umgesetzt. Die gesamte Wertschöpfungskette in der Immobilienwirtschaft wird davon unmittelbar oder mittelbar betroffen sein. Institutionelle Investoren erwarten von uns neue Investmentstrategien – in der Theorie, wie in der Praxis – die den zukünftigen Anforderungen an Nachhaltigkeit gerecht werden.

Wir sind deshalb auch Unterzeichner der Principles for Responsible Investment (PRI) und bekennen uns formell zu den sechs Prinzipien für verantwortliches Investieren der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative. Dieses Bekenntnis spiegelt unser Engagement wider, ökologische, soziale und unternehmenskulturelle Faktoren in unsere Investment- und Entscheidungsfindungsprozesse einzubeziehen. Dadurch stellen wir auch formal die in unserem Unternehmen gelebte Orientierung an ESG-Aspekten sicher.