März
Warum Heritage-Büros langfristig überzeugen
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Warum Heritage-Büros langfristig überzeugen

 

Als wir die Türen des 175 Jahre alten Bürogebäudes in der Rue de la Banque 20 im 2. Arrondissement von Paris wieder öffneten, lag noch der Duft von frisch verarbeitetem Holz und Kalkputz in der Luft.

Hinter der eleganten Haussmann-Fassade und dem historischen Treppenhaus eröffneten sich helle, moderne Arbeitswelten mit effizienter, neuer Gebäudetechnik.

Kurz nach Fertigstellung unterzeichnete ANJAC Health & Beauty einen Mietvertrag über neun Jahre für die gesamten Büroflächen.

Dieses Ergebnis steht exemplarisch für ein Prinzip, das AM ALPHA seit 2006 leitet: Echter Wert entsteht dann, wenn bestehende Immobilien mit Sorgfalt weiterentwickelt werden und über lange Zeit relevant bleiben.

 

Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um einen klaren Trend. Unternehmen entscheiden sich zunehmend für Orte, die Identität vermitteln, die Sinne ansprechen und zugleich technisch wie ökologisch überzeugen.

Seit der Pandemie hat sich die Debatte um Büroimmobilien grundlegend verändert. Die Frage lautet nicht mehr, ob Büros gebraucht werden, sondern welche Büros funktionieren. Das gilt nicht nur für Paris. 

Das ist keine Nostalgie, sondern eine rationale Investitionsentscheidung.

In London stammten im ersten Halbjahr 2025 bereits 83 % des neuen Büroangebots aus Refurbishments und nicht aus Neubauten.

 

Bestand statt Neubau

Die neue Attraktivität von Bestandsimmobilien beruht auf drei eng miteinander verbundenen Faktoren: ökologischen, technischen und wirtschaftlichen.


Gewerbeimmobilien verursachen rund 23% der CO₂-Emissionen des gesamten britischen Gebäudebestands. Ohne umfassende Sanierungen sind Netto-Null-Ziele kaum erreichbar. Tiefgreifende Refurbishments können den operativen Energiebedarf um bis zu zwei Drittel senken und den Ausstieg aus fossilen Energieträgern ermöglichen. Die Diskussion um das ehemalige M&S-Flagship-Store an der Oxford Street hat dies verdeutlicht: Abriss und Neubau hätten laut Gutachten zusätzliche 40.000 Tonnen CO₂ verursacht. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Das nachhaltigste Gebäude ist meist das, das bereits existiert – vorausgesetzt, es wird fachgerecht und mit Weitblick revitalisiert.

ESG mit Substanz

Unternehmen im Wettbewerb um Talente benötigen mehr als funktionale Grundrisse. Heritage-Gebäude bieten Charakter, Adresse und Geschichte – kurz: Identität. Unser Projekt in der Rue Plaetis 3–5 im Luxemburger Stadtteil Grund zeigt dies in der Praxis: ein denkmalgeschütztes Bürogebäude, vollständig saniert, mit rund 3.500 Quadratmeter Mietfläche, langfristig an einen erstklassigen Nutzer vermietet und nach der Neupositionierung erfolgreich veräußert. Durch intelligente Weiterentwicklung können Heritage-Assets so zu liquiden Core-Produkten werden.


Viele historische Immobilien befinden sich zudem in erstklassigen innerstädtischen Lagen – genau dort, wo Talente, Kunden und Infrastruktur zusammenkommen. Das 130 Jahre alte Helmerhus am Rathausplatz in Kopenhagen ist ein gutes Beispiel. Seine Transformation schafft hochwertige Büroflächen sowie Einzelhandel und Gastronomie und verbindet urbane Belebung mit stabilen Cashflows.


Auch in Manchester zeigt sich diese Logik. Beim historischen Rylands Building ist das Erdgeschoss bereits vorvermietet: Market Place Food Halls hat einen 15-jährigen Mietvertrag abgeschlossen – zwei Jahre vor Fertigstellung. Frühzeitige Nachfrage ist oft der beste Beweis dafür, dass Charakter, Qualität und Lage den Unterschied machen.

Rue de Plaetis
Helmerhus
Rylands

Wert durch Relevanz

Die Quintessenz ist klar: ESG funktioniert nur als tragfähiges Geschäftsmodell. Erfolgreiche Neupositionierung bedeutet, gezielt zu investieren: in Fassade und Technik, in die Elektrifizierung von Heizen und Kühlen sowie in messbare Effizienzgewinne im Betrieb. Gleichzeitig braucht jede Immobilie eine Geschichte. Mieter entscheiden sich nicht für Kilowattstunden oder eingesparte Gramm CO₂, sondern für Bedeutung – für Adresse, räumliche Qualität und Identität. Die Transformation der Rue de la Banque 20 zeigt, wie sich ein Value-Add-Investment zu einem vollständig vermieteten, langfristig stabilen Core-Asset entwickeln kann.

Zusätzliche Resilienz entsteht durch gemischte Nutzungskonzepte. Belebte Erdgeschosszonen mit Einzelhandel und Gastronomie, kombiniert mit flexiblen Büroflächen darüber, sichern langfristige Attraktivität und stabile Erträge. Eine frühe Zusammenarbeit mit künftigen Mietern stärkt zudem Vorvermietungsquoten und Vertragslaufzeiten.

 

Die Richtung ist eindeutig: geringere Emissionen, stärkerer Charakter, revitalisierte Innenstädte. Der nächste Wertschöpfungszyklus im Büromarkt wird nicht durch mehr Glas, Stahl und Beton entstehen, sondern durch intelligente Refurbishments. Für langfristig orientierte Investoren bietet sich damit die Chance, ESG-Wirkung, stabile Erträge und dauerhafte Relevanz zu verbinden – Returning Real Value über Zeit.

Die Fassade des Gebäudes Rue de la Banque in Paris.